Der Kampf um Reichweite und Aufmerksamkeit

Immer und immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem ich eigentlich nicht sein will. An dem ich mich unwohl fühle. Der mich lähmt. Das leidige Thema Social Media. Vielleicht ein bisschen dramatisch ausgedrückt, aber ich empfinde es genau so. Als Kampf. Der Kampf um Abonnenten. Der Kampf um Reichweite. Der Kampf um Aufmerksamkeit.


Wenn ich nichts poste, verschwinde ich. Die Menschen werden mich vergessen. Und was das heißt, lässt sich nur unschwer erraten: Wenn ich vom Schreiben leben möchte, muss ich meine Bücher verkaufen. Will ich verkaufen, muss irgendwer, müssen viele irgendwers, davon erfahren. Dieser Druck erscheint mir im Moment unglaublich hoch. Ich habe das Gefühl, zwischen all dem, was ich tun sollte, die Orientierung verloren zu haben. Nicht zu wissen, was ich eigentlich zeigen möchte. Zudem habe ich im Moment kaum die Zeit und die Energie, weil das Reallife mir viel davon nimmt. Es wird besser, ja. Aber der Nachgeschmack bleibt, dem Social Media nicht mehr gerecht werden zu können. Euch nicht mehr das geben zu können, was euch interessiert.


Die meisten Netzwerke wollen, dass ihre Nutzer Content raushauen. Dafür gibt es Regeln, ein bis drei Posts oder mehr am Tag. Ich kenne die Regeln. Nur funktionieren diese Regeln in meinem Leben nicht, denn vieles ändert sich. Manche meiner Projekte machen Pausen, aber in der Zeit bin ich ja nicht nicht vorhanden. Ich tue trotzdem Dinge, auch wenn es an manchen Tagen zu nicht mehr als Aufstehen, essen, zur Arbeit gehen, kurz die Nachrichten auf FB und Insta checken und schlafen reicht.


Ich habe keine Lust mehr. Und ich habe auch Angst. Angst, dass ich die Menschen, die ich erreichen möchte, nicht erreiche. Auf meiner Facebookseite zu posten, ergibt nicht sehr viel Sinn. Ich erreiche darüber kaum Leute, weil ich nicht regelmäßig poste, aber ich mag auch nichts Belangloses nur der Reichweite wegen teilen. Werde ich den wenigen, die meine Seite abonniert haben, dann noch gerecht, wenn ich die Seite schließe? Wenn ich mein Profil privat halte, um eben das nötigste fürs Schreibmeer zu regeln? Darf ich das, wo doch Facebook so wichtig ist und ich dann irgendwann einmal Werbung schalten könnte, wenn es denn mal soweit ist, um ein Buch zu bewerben?


Der Wunsch, eine eigene Community zu gründen, wird immer stärker. Einfach eine eigene Plattform zu schaffen, um euch das zu geben, was ich geben kann, ohne die Angst oder Gewissheit, dass vieles einfach im Nirvana verschwindet. Nur, ist es fair, euch zu bitten, euch noch ein Netzwerk aufzudrängen? Wie schnell könnte ich da wieder in Vergessenheit geraten, in der Versenkung verschwinden? Bin ich "groß" und stark genug, so eine Community allein zu stemmen? Ist es zu riskant und gewagt?


Ein Teil in mir, der mutige, sagt: "So what? Wer mich mag und unterstützen möchte, wird mir überall hin folgen."


Ich wünsche mir einen Ort, an dem ich ohne Stress und Druck ich sein kann. An dem ich Zeit habe, für euch da zu sein, mich euch mitzuteilen.


Der Zweifelnde sagt: "Das hast du schon. In deiner Facebookgruppe wolltest du doch genau das. Einen Ort für dich und deinen Scheiß, wie du ihn liebevoll nennst."


"Ja", sage ich. "Aber da ist etwas, das mich blockiert. Das mich daran hindert, mein Potenzial voll auszuschöpfen.


Der Mutige widerspricht: "Du kannst nicht verschwinden. Deine Bücher werden die richtigen Menschen schon erreichen. Du hast schon eine tolle Community, Menschen, die dich unterstützen, egal, was du tust. Sie verdienen es, dass du deine Energie auf das richtest, was den Kampf auch wert ist. Und für das, was du liebst, musst du nicht kämpfen. Du wirst frei sein, frei, deine Entscheidungen zu treffen, ohne dir Sorgen machen zu müssen."


Und dieser Gedanke macht mich glücklich. Frei sein. Ohne Angst. Ohne Zweifel. Nur meine Geschichten, meine Projekte. Und Menschen um mich herum, die mir positiv gesonnen sind und mich unterstützen, egal, was ich tue.


Und der Zweifelnde, ganz leise: "Wenn es nicht klappt, kannst du ja zurück."

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Kommentare: 2
  • #1

    Mel (Donnerstag, 12 Juli 2018 23:51)

    "Ein Teil in mir, der mutige, sagt: "So what? Wer mich mag und unterstützen möchte, wird mir überall hin folgen.""

    Dazu sagt etwas in mir: jein.
    Denn sobald das 5 oder 10 Autoren und Freunde machen, wird es mehr als unübersichtlich und auch irgendwie untragbar, wenn ich selbst noch etwas schaffen möchte. Da kommt dann wieder der Punkt ins Spiel, aus dem eben angebotene Plattformen praktischer sind.

    Grundsätzlich denke ich, jeder muss tun, wonach er sich fühlt und sich zu etwas zwingen, wonach einem nicht ist, bringt auch nichts. Alternativ gibt natürlich auch die Möglichkeit Content zu planen. Eine Woche im Voraus, vielleicht noch länger. Um den "gängigen Regeln" zu entsprechen und zusätzlich aktuellen Content dazwischen zu streuen (siehe Annika, Laura etc.). Bedeutet natürlich geballten Zeitaufwand und Planung, aber eben auch die Gleichmäßigkeit und nimmt den täglichen Druck raus. Ob dir sowas liegt, kannst nur du beurteilen oder herausfinden.

  • #2

    Jona Gellert (Samstag, 21 Juli 2018 20:18)

    Ich fühle so sehr mit dir! Dieser Gedankenkreisel, wie man alles so in den Griff bekommt, dass man selbst zufrieden ist und allen gerecht geworden ist... Da hilft manchmal auch Planung nichts...